Deep beneath the city

Fans von Deke Sharon mögen sein Arrangement ‚Deep beneath the city‘ kennen. Es geht um die all die Zeit, die man fernab des Sonnenlichts verbringt. Eingesperrt in einen metallenen Käfig, umgeben von Fremden, ein metallisches Dröhnen der ständige Begleiter… kurz und gut: Es geht um die New Yorker U-Bahn. Dieses Lied ist Teil des Programms von Total Vocal im Lincoln Center. Text und Melodie wurden bereits in Deutschland geübt – jetzt wird daran gefeilt, den Inhalt glaubhaft rüber zu bringen. Doch wie soll das gehen, wenn man nicht weiß, wie es sich anfühlt Teil dieser gewaltigen – mal mehr, mal weniger – gut geölten Maschinerie zu sein? Also wagt der Psycho-Chor den Selbstversuch: Ca. 13.6 km Luftlinie, 2 Umstiege, über 30 Haltestellen, 49 Personen. Und was soll man sagen: Man lernt dazu. Wurden für den Hinweg noch 2 verschiedene Buslinien genutzt, um alle Chormitglieder möglichst zügig von der letzten U-Bahnstation zur Francis Lewis High School zu transportieren, konnten auf dem Rückweg alle erfolgreich in einen einzigen Bus gestapelt werden – zusätzlich zu den Einheimischen. Noch etwas Übung, und der Chor kann sich vollständig in einen gemieteten VW-Bus falten. Die An- und Abreisekosten für Konzerte würden signifikant sinken.

Da inzwischen aber allseits Multitasking verlangt wird, wurde die Reise natürlich nicht nur zur Verbesserung eines einzelnen Liedes bzw. der Transportierbarkeit genutzt, sondern mit Nachwuchswerbung kombiniert. Dementsprechend bestand der Tag neben Trainingsfahrten zur Francis Lewis High School und wieder zurück, auch aus einem Konzert an der Schule selbst. Dabei wurde nicht nur vor den 5 Klassen gesungen, die vom Lehrpersonal zum Besuch verpflichtet wurden – ein großer Teil der Zuhörer war tatsächlich freiwillig da. Dann gab es noch das gemeinsame Lied mit dem Schulchor. Fazit: Die cool designten Chorpullover waren was fürs Auge – die tollen Stimmen was für die Ohren. Und wer weiß, vielleicht möchte einer von ihnen in Zukunft im Ausland studieren. Mal raus aus der Megacity, rein in irgendeine deutsche Großstadt. Und er oder sie mag sich zurückerinnern an den Jenaer Chor, mit denen es vor Jahren mal das Konzert an der Schule gab – und der das Auditorium durch sein plötzliches synchrones Stampfens zum kollektiven Zusammenzucken brachte. Die A-capella-Version der Sinfonie mit dem Paukenschlag. Geht ins Ohr, bleibt im Kopf, wie es in der Radiowerbung so schön heißt.

Kleiner Wermutstropfen: Nach 2 Konzerten sind bereits 2 Teile vom Stativ abgefallen. Dafür hatten wir 25 € bezahlt. Das wären 50 DM! Oder 50 000 italienische Lira! Früher hätte es sowas nicht gegeben (vermutlich aber auch keine Stative für 25 €). Es bleibt also die nächsten Tage spannend: Gibt es mehr Teile, die abfallen können, oder mehr Konzerte?

Leider ist zur Zeit noch nicht bekannt, inwieweit das Stativ Konzert Nummer 3 in der Rutgers Church überstanden hat. Zumindest stand es am Ende aber noch aufrecht, was auf gute Nachrichten hoffen lässt. Weniger gute Nachrichten gibt es bezüglich der Tränenquote. 100 % weinendes Publikum konnten in dieser Kirche nicht erreicht werden. Was allerdings nicht heißt, dass nicht doch die eine oder andere Träne verdrückt wurde… Es waren mehr Zuhörer da als am Vortag. Möglicherweise lag es daran, dass einzelne Chormitglieder nun zu unkonventionellen Werbemethoden greifen: Zuhörer werden in McDonalds-Restaurants rekrutiert. Man weiß ja, wie das läuft. Man unterhält sich in einem amerikanischen McDonalds auf Deutsch und wird von einer Dame in bestem Rentenalter angesprochen. Ihre Eltern sind vor ihrer Geburt aus der Region um Hamburg nach Amerika übergesiedelt, sie spricht fließend deutsch. Man kommt ins Gespräch und kurze Zeit später hat man wieder eine Zuhörerin gewonnen. Sollte diese Methode wiederholt erfolgreich sein, könnte man sie auf Taco Bell, Wendy’s und Burger King ausweiten. Oder man mietet sich eine Anzeigetafel am Times Square. Lauter lässt sich ein stummes „Wir treten auf!“ nicht in die Nacht hinausbrüllen. Da für Teile New Yorks morgen allerdings Wetterwarnungen bestehen, sind wahrscheinlich nicht genug Leute unterwegs, die dies sehen… Nur auf Grund dieser voraussichtlichen Ineffizienz wird also vorerst darauf verzichtet, den Werbespot den vielen Anzeigen am Times Square hinzuzufügen. Vorerst.

Wir danken unseren Sponsoren, der Friedrich-Schiller-Universität Jena, dem Freistaat Thüringen, dem Studierendenwerk Thüringen, XCEPTANCE, ZEISS, GW und maßalsky für ihre Unterstützung dieser Reise.

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2 Kommentare zu „Deep beneath the city

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