Frierend zur Freiheitsstatue

Freiheit hat ihren Preis – und der Weg zur Freiheitsstatue auch. Die Rede ist nicht von schnöden monetären Werten. Wen kümmern die Dollarscheine, die man für die Fähre zahlt, wenn es doch viel wertvollere Sachen gibt: Die eigenen Füße. Welche am Ende des Tages dezent protestieren. Mit einem leisen, aber beständigem Aua. Und dann kann man die nichtmal alleine auf ihr Zimmer schicken, wenn sie nerven… Aber am besten beginnt man von vorn: Was war für den heutigen Tag geplant?

Erster Punkt: Fahrt zur Brooklyn-Bridge. Da auch heute Ferien sind, bleiben die U-Bahnen voll. Einzelne Körperteile und Chormitglieder müssen erstmal draußen bleiben. Die Körperteile passen letztendlich doch noch mit hinein, die Chormitglieder nicht – also abwarten und Tee trinken, bis die nächste Bahn auftaucht. Schade, dass der hiesige – angeblich favorisierte – Schwarztee geschmacklich nicht viel hergibt. Das macht die Wartezeit erstmal langweilig. Allerdings bietet es Gelegenheit neusten Klatsch und Tratsch auszutauschen. So erfährt man, dass einige Chormitglieder Stephen Colbert live gesehen haben und dabei ein ehemaliger US-Präsident Überaschungsgast war – es gibt jetzt also Chorverbindungen in politisch hochinteressante Kreise…
Und während einige nachts 2 h durch New York irrten, weil man von den U-Bahnen nun wirklich keine Nachtarbeit erwarten kann, mussten sich andere als Ersthelfer an der U-Bahn-Station betätigen. New York scheint es zu lieben, Menschen in unerwartete Situationen zu dirigieren um dann zu sehen, was passiert.

Doch alle haben es überstanden und die Brooklyn-Bridge wird vollzählig erreicht. Allerdings… so ganz stimmt das nicht. Erste Verluste sind schon vor Aufbruch zu beklagen – nicht jeder verträgt New York. Es muss sich also teilweise im Hostel auskuriert werden. Das Stativ bleibt zurück, um am Krankenlager zu helfen, entpuppt sich jedoch als recht unflexibel bezüglich der neuen Arbeitsbeschreibung.

Die Karawane – ohne Stativ – zieht über die Brooklyn Bridge Richtung Fähre. Dabei erkennt man gewisse Aufklebe an der Brücke wieder… Außerdem scheint auch hier ein Götzenbild gestanden zu haben. Dieses wurde nach seinem Bau noch ein zweites Mal zum Psycho-Chor-Götzenbild umfunktioniert – ohne, dass Erbauerin und Zweitfotograf voneinander wussten. Die darauf folgende Fähre am südlichen Zipfel Manhattans soll einen zur Freiheitsstatue bringen – und tut dies auch. Allerdings nur, wenn man einen kleinen Sicherheitsscheck durchläuft. Man kennt das ja, sie wollen nur mal kurz gucken. Rucksack, Jacken, Gürtel und Schmuck abnehmen, alles durch den Scanner schieben, selbst durch den Metalldetektor gehen… eine ganz normale Sicherheitskontrolle in den USA eben. Das entschleunigt den ganzen Andrang.

An Deck der Fähre wird eines der Probleme des Tages deutlich: Es ist echt kalt. Und die Rede ist nicht von der netten Kälte eines Schneetages, die man von drinnen beobachtet und sich freut, weil man nun eine Entschuldigung hat Grog zu trinken. Die Rede ist von einer knochenkriechenden Kälte, die auf eine müde Gruppe trifft, die von den bisherigen Reisetagen noch erschöpft ist. Es ist Naturgewalt vs. maschinell gefertigte Socken. Wind vs. windsackförmige Zipfelmütze. Kalte Metallbänke vs. nicht allzu dicke Jeanshosen. Das Bibbern nimmt der Freiheitsstatue leider einen Teil der Faszination. Aber es gibt ein Café, einen Souvenirladen und beheizte Sanitäranlagen – mehr braucht der Mensch nicht zum glücklich sein.

Bald geht es jedoch schon weiter zu Ellis Island, dem Ort, an dem jahrzehntelang Einwanderer ankamen, bevor sie über die USA verteilt wurden. Die Thematik ist interssant – und die Ausstellungsräumlichkeiten sind beheizt. Leider ist es wie alles in New York: So wenig Zeit, so viel zu sehen. Einige Personen frieren immernoch. Gegebenenfalls werden wir also ein Seuchenflug zurück nach Deutschland. Regelmäßiges Bilden von Pinguinhaufen (Gruppenumarmungen) wärmt zwar, sorgt aber auch für optimale Keimverbreitung. Andererseits ist Knuddeln ja auch sooo gesund, so dass es unklar ist, ob weitergeknuddelt werden soll oder nicht. Aber für die besondere Prise Glück – z.B. zur Keimabwehr – hat NY natürlich auch etwas zu bieten. Und so zieht man weiter zum Charging Bull. Angeblich bringt es Glück/Reichtum diesen Bullen an… empfindlichen männlichen Stellen zu berühren. So wie die Statue von Touristen umlagert ist, ist sie aber wahrscheinlich eher genervt von ihnen und wünscht ihnen Pest und Cholera an den Hals.

Nach einem kleinen Abstecher zum beeindruckenden 9/11 Memorial endet der Tag im Chelsea Market. Aber… das stimmt so nicht ganz. Abendbrot wird dort eingenommen – aber danach streut sich der Chor in alle Winde. Ob und inwieweit man vor der Heimkehr noch anderen Aktivitäten nachgeht – das entscheiden Füße und Körperkerntemperatur. Wer schnell und warm ist und genügsame Fußsohlen hat, schafft es noch ein paar hundert Meter der Highline zu genießen – eine stillgelegte Hochbahnlinie, die mit Holzweg, Blumen und Bäumen zum Park umgestaltet wurde. Allerdings ist das ganze etwas beeindruckender, wenn sich Blumen und Blätter auch zeigen. Rindenmulch ist ja ganz nett, aber nicht wirklich spannend… Wer lieber in Ruhe aufessen will, konnte sich späteren Gruppen anschließen. Zum Beispiel wurden Second Hand Läden zum wiederholten Male gekapert. Andere kaperten die hiesigen Süßigkeitenregale. Es mag nicht alles gut schmecken, aber es klingt spannend und die Packungen sind hübsch bunt. Außerdem vermittelt es einem ein Gefühl wie beim Roulettespiel: Ob etwas schmeckt oder nicht ist Glück – aber das Risiko ist es, was das Spiel spannend macht.

Und am Ende des Tages durfte sogar das Stativ wieder an die frische Luft. Im eisig kalten Wind wurde es am Pier von Brooklyn aufgestellt um Manhattans Skyline auf ewig in Pixel zu bannen. Und noch eine gute Nachricht gibt es für das Stativ: Sein Einreiseantrag wurde bewilligt. Entgegen dem ursprünglichen Plan bleibt dieses preisgünstige sperrige Objekt nicht in den USA sondern wird von einem liebevollen Chormitglied im Koffer mit nach Hause genommen. Für einen ewigwährenden Einsatz im Psycho-Chor muss es noch sehr viel lernen, aber nichtsdestotrotz werden wir unser bestes geben, damit es sich in Deutschland willkommen fühlt.

Ein letztes Mal wird sich jedes Chormitglied morgen von einem müden Paar Beine über US-amerikanischen Bodern schleifen lassen. Und nach dem langen Flug über den Ozean… schleifen sie einen müde über deutschen Boden. Ein Problem nach dem anderen lösen. Ausschlafen kann man dann in Deutschland – hoffentlich.

Wir danken unseren Sponsoren der Friedrich-Schiller-Universität Jena, dem Freistaat Thüringen, dem Studierendenwerk Thüringen, XCEPTANCE, ZEISS, GW und maßalsky die uns durch ihre Unterstützung dieses Reise ermöglichen.

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