We’re coming home

Es ist soweit: Ein letztes Mal wird man durch das Aufstehen der Mitbewohner im Zimmer geweckt – nicht auf Grund ihrer Lautstärke, sondern weil die Doppelbettmatratzen auch die kleinste Bewegung sofort an die andere Matratzenhälfte weiterleiten. Ins Bett oder ausm Bett schleichen ist nicht. Ein letztes Mal zieht eine mehr oder weniger wache Karawane zum Manhattan Three Decker. Für ein weiches Brötchen mit knusprigem Bacon oder einen großen Pancake. Vorbei am Filmset, dass extra dem Chor zu Ehren aufgebaut wurde. Ein Buena Vista Logo wird entdeckt – leider fehlen weitere gesicherte Hinweise darauf, welcher Film zum Abschied des Chores gedreht wird. Ein letztes Mal stürmen Chormitglieder den Donutshop Peter Pan für Zimtschnecken, Donuts und alles andere, mit dem man seine Tagesration an Fett, Zucker und Glück innerhalb von zwei Bissen decken kann.

Im Bus zum Flughafen sitzen nicht nur alle 49 Chormitglieder – zur Sicherheit wird vor Abfahrt nochmal durchgezählt – sondern auch das Stativ darf tatsächlich mit. Ebenso wie die alte Kiste, die vorm Alkoholladen gefunden wurde. Sie scheint einen recht gemütlichen Sitzhocker abzugeben. Nichts und niemand wird zurückgelassen! Im Bus gibt es Dankesreden, -karten und -kekse fürs unermüdliche Orgateam – und den Fotografen, der für gute Fotos so manche Welle und rote Ampel riskiert. Die Fahrt durch die nähere Umgebung des YMCA ist wehmütig. Adieu, kleine Bäckerei. Adieu, polnisches Restaurant. Adieu, billiger Fastfoodladen. Adieu, Supermarkt. Adieu, all ihr kleinen Läden und Lokale, die dem Chor das Leben erleichtert haben.

Einige Dinge bleiben einem bis zum Flughafen erhalten. Doch mit Start des Bordings heißt es auch hier Abschied nehmen. Von all den Trinkwasserbrunnen, die Wasser für trockene Rachen spenden – und je nach Geschicklichkeit, auch unfreiwillig für trockene T-Shirts. Von all den Preisschildern ohne integrierte Steuern, die den endgültigen Preis, den es zu zahlen gilt, zu einem spannenden Ratespiel machen. Von den Händetrocknern, die einem durch ihre Lautstärke ebenso die Ohren abfallen lassen wie die deutschen, dank stärkerem Gebläse aber tatsächlich Hände trocknen.

Der Rückflug verläuft, wie Flüge eben verlaufen: Angriffe durch herabfallendes Handgepäck – zum Glück glimpflich verlaufen. Interessantester Filmtitel an Bord ist „Let me eat your pancreas“ (Lass mich deine Bauchspeicheldrüse essen) – Inhalt unbekannt. Die Zeit vergeht mit Salzgebäck, Getränkerunde, Abendessen, Getränkerunde, Schlafen – zumindest für einige, Frühstück, Getränkerunde. Und schon ist man in Deutschland. Da morgens um 6 Uhr nicht die beliebteste Reisezeit ist, geht der Rest schnell. Passkontrolle, Gepäck abholen und wer Glück hat ist nach einer knappen halben Stunde durch. Am Frankfurter Hauptbahnhof grüßt die USA noch ein letztes Mal mit einem Dunkin Donuts… und dann erinnert nur noch sanfter Chlorgeruch aus den Wasserflaschen an New York.

Allerdings… das stimmt nicht ganz. Das Internet vergisst nie! Wer kann also sagen, wie lange Livestream und Beiträge bei Instagram, Facebook und WordPress noch herumgeistern. Auch die Erinnerungen der Chormitglieder werden die Jahre überdauern – zumindest bis sie alle senil sind. Und mit Tequilakiste und Stativ sind zwei einzigartige Erinnerungsstücke mit zurück gekehrt. Da das Stativ möglicherweise drei unterschiedlich lange Beine hat, ist es vielleicht sogar einzigartiger als erwartet. Wer weiß, wie es mit ihm weitergeht? Wird es als Art von Wanderpokal von Stimmgruppe zu Stimmgruppe wandern? Wird es jeden Mittwoch einen Ehrenplatz erhalten? Wird es nach jedem Konzert, mit bunten Bändern geschmückt, durch den Saal getragen werden? Und wie wird es mit dem Plan zur friedlichen Weltherrsch… äh… herlichkeit weitergehen? Antworten darauf findet man vorerst nicht in diesem Block. Er wird zu seinem alltäglichen Rhythmus zurückkehren. Dank geht an alle Leser, die ihn verfolgt haben und alle Chorfans die den Chor auf Facebook, Instagram und YouTube unterstützen. Außerdem danken wir unseren Sponsoren der Friedrich-Schiller-Universität Jena, dem Freistaat Thüringen, dem Studierendenwerk Thüringen, XCEPTANCE, ZEISS, GW und maßalsky die uns durch ihre Unterstützung dieses Reise erst ermöglicht hatten.

Und wer immer topaktuell wissen will wie es mit Chor und Stativ weitergeht – bald ist wieder Einstiegsprobe. 😉

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